Zwischenbericht meines Freiwilligendienstes

Nach 20 Stunden Reise bin ich endlich in Durban gelandet – total erschöpft aber von der Aufregung gepushed. Das Kribbeln war unglaublich! Endlich sehe ich die zwei anderen Freiwilligen(Anne und Kim), die schon vorher angereist sind wieder, endlich lerne ich unsere Mentorin kennen, endlich komme ich in meinem neuen Zuhause an!

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Der Empfang mit Luftballons und Plakaten war so herzlich, alle Bedenken die sich im letzten Moment noch angebahnt haben, waren sofort verflogen. Nach einem ereignisreichen Wochenende war dann am Montag mein erster Tag auf der Arbeit. Das war für mich natürlich besonders spannend. Lauter neue Leute, mit denen ich jetzt für ein Jahr zusammenarbeite… Auch dieser Empfang war super herzlich wie der von Anne und Kim, alsob wir uns alle schon länger kennen. Hier spürte ich zum ersten Mal, wie komplett anders die Mentalität der Menschen hier in Südafrika ist.
Jeder ist so herzlich im Umgang miteinander, die Menschen sind total offen und scheuen sich nicht dir Komplimente zu geben, aber auch nicht, dir zu sagen, wenn du mal komplett fertig aussiehst oder sie den Eindruck haben, dass du zugenommen hast. Der Unterschied ist, sie meinen es überhaupt nicht böse, im Gegenteil, sie interessieren sich nur für einen. Man wird wertgeschätzt und lieb gewonnen so wie man ist. Niemanden kümmert es ob man ein paar mehr Pfunde auf den Hüften hat, ob heute den absulten Bad-Hair-day hat oder man die neuesten Klamotten trägt.
Wenn ich meine eigene Entwicklung bis jetzt betrachte hat dies auf jedenfall auch dazu beigetragen. Ich würde mich schon als sehr selbstkritische Person bezeichnen, die oft an sich zweifelt und mit sich selbst oft unzufrieden ist. Hier habe ich gelernt, dieser in meinen Augen nicht immer, aber meistens negative Eigenschaft, nicht mehr so viel Beachtung zu schenken. Außerdem habe ich allgemein meine Schüchternheit etwas abgelegt. Dies mag vielleicht auch einfach daran liegen, dass man wenn man in ein komplett fremdes Land geht, in dem man niemanden kennt, einfach nicht weit kommt wenn man schüchtern ist. Ich habe das Gefühl, ich bin noch viel offener gegenüber fremden Menschen, aber auch neuen Dingen geworden.
Aber nun etwas mehr über meinen Alltag und meine Arbeit…screenshot_2016-12-15-21-29-211
Da Kim und Anne schon zwei Wochen vor mir und Krissi angekommen sind, und von den ehemaligen Freiwilligen eingelernt wurden, konnten sie uns jetzt alles zeigen. Morgens arbeiten wir immer im Office und sind beschäftigt mir Büroarbeit. Das hört sich jetzt vielleicht unglaublich langweilig an, ist es aber überhaupt nicht, zumal es immer irgendeinen Tratsch unter uns Bürofrauen gibt und die Atmosphäre total entspannt ist. Um die Mittagszeit herum fahren wir dann mit den Sozialarbeiterinnen in die Townships zu den Zentren. Jeweils zwei von uns Freiwilligen gehen in ein Zentrum, hier wechseln wir uns immer ab. Mit der Zeit hat dann jeder seine Aufgaben gefunden, die er immer bearbeitet auch abhängig von den jeweiligen Interessen. Ich zum Beispiel habe unglaublich viel Spaß an Sport und Interaktion mit den Kindern. Schnell haben Anne und ich uns ins Netballteam im Center eingefunden und hatten viel Spaß dabei, die für uns neue Sportart zu erlernen. Was mir außerdem sehr viel Spaß macht, ist mit den Kindern zu lesen. In einer kleinen Gruppe kann man individuell auf die Kinder eingehen, auf Englisch mit ihnen über das Buch sprechen sowie ihr Wissen mit Fragen prüfen und vergrößern. Wenn man zum Beispiel den Kinder ein neues Wort beibringt das sie beim nächsten mal immernoch wissen, oder wenn man eine Verbesserung in der Sprache des Kindes sieht, ist das immer ein Erfolgserlebnis, das einem den Antrieb gibt weiter zu machen. Ansonsten ist unsere Arbeit sehr abwechslungsreich. Wir assistieren den Mitarbeitern in den Zentren bei verschiedenen Programmpunkten wie Sport, spielerisches Lernen anhand von verschiedenen Spielen, Mediawork und vielem mehr. Außerdem begleiten wir die Sozialarbeiterinnen bei ihrer Arbeit in den Townships wie Homevisits, der Aufnahme von neuen Kindern oder Besuche von Schulen. Trotzdem haben wir Freiwillige immer die Möglichkeit unsere eigenen Ideen einzubringen, besonders bei der Planung des Ferienprogramms, die uns überlassen wird.

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Außerhalb von der Arbeit gibt es hier auch viel zu tun. Schnell haben wir hier neue Freunde gefunden, mit denen wir am Wochenende ausgehen oder einfach nur so treffen. Ansonsten nutzen wir die Wochenden auch um unsere neue Heimat näher zu erkunden. Um Pietermaritzburg herum gibt es viel zu erleben und auch die nächste große Stadt Durban sowie das Meer ist nicht weit, weshalb wir dort gerne unsere Wochenenden verbringen.
In den Sommerferien, also von Mitte Dezember bis Mitte Januar haben wir einen Roadtrip von Pietermaritzburg, die Küste entlang, nach Kapstadt gemacht. Unterwegs haben wir an allen erdenklichen Orten Halt gemacht und so mehr von der Vielfalt Südafrika sehen können. Unseren Roadtrip würde ich auch als Highlight unseres jetzigen Südafrika Aufenthalts bezeichnen. Diesen Urlaub werde ich mit Sicherheit nie vergessen!
Auch wenn wir am Wochenende nichts besonderes unternehmen wird es uns nie langweilig, was glaube ich bei einer WG aus vier Mädels auch nicht möglich ist! Glücklicherweise verstehen wir uns alle total gut und haben so gut wie dieselben Interessen. Ich will mir garnicht vorstellen wie das Leben zurück in Deutschland wieder sein wird ohne immer meine drei Mädels an meiner Seite zu haben…
Nicht nur die drei anderen Freiwilligen, auch sonst sind viele Menschen hier sehr wichtig für mich geworden und ich bin mir sicher, dass der Abschied sehr sehr schwer sein wird. Allerdings habe ich auch sehr viel Respekt für sie, die jedes Jahr neue Freiwillige bekommen, eine Beziehung zu ihnen aufbauen, und sie dann wieder gehen lassen müssen. Trotzdem ist hier jeder so nett zu uns, und es entwickeln sich Freundschaften die den Abschied mit Sicherheit schwer machen werden. Diese Offenheit und Freundlichkeit bewundere ich so sehr und bin unglaublich dankbar dafür!

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Wenn ich auf mein erstes halbes Jahr hier zurückblicke, sehe ich, dass ich schon so unglaublich viele tolle Dinge erlebt habe und freue mich umso mehr auf die zweite Hälfte! Positiv starte ich nun in die zweite Hälfte immer mit den Worten meines Seminarleiters des Zwischenseminars im Hinterkopf: „Die meisten Tore werden in der zweiten Halbzeit geschossen!“.

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